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Schock & Zeit

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Schock und Zeitdruck - schlechte Begleiter für die Entscheidung

 "Wohlüberlegte Entscheidungen können nicht in einem Zustand des emotionalen Schocks oder extremer Aufgewühltheit gelingen. Die Eltern benötigen Zeit, die neuen Informationen aufzunehmen, zu bewerten und die eigenen Gefühle zu prüfen. Es wäre jedoch ein Irrtum, Emotionen überhaupt als hinderlich anzusehen. Die emotionale Haltung und Zugewandtheit werdender Eltern zu ihrem Kind ist die wesentliche Grundlage tragfähiger Entscheidungen." (Zernikow 2013)

 „Menschen in einer emotionalen Ausnahmesituation sind nicht in der Lage mehr als ca. 20% eines Gesprächsinhaltes aufzunehmen.“ (Garten und von der Hude 2014)

Schock

Wer eine vorgeburtliche Diagnose erhält, steht zunächst wahrscheinlich unter Schock, fühlt sich "wie im falschen Film", die Gedanken und Gefühle fahren Achterbahn. Schwerwiegende Entscheidungen sollten in so einem Ausnahmezustand nicht getroffen werden. Schock ist eine normale Reaktion auf eine einmalige oder fortgesetzte Belastung.


In den ersten beiden Wochen nach einer pränatalen Diagnose sollte  keinesfalls schon eine endgültige Entscheidung (also zum Schwangerschaftsabbruch) getroffen werden. Ich weiß aus eigener Erfahrung, aber auch von vielen anderen betroffenen Eltern, dass im ersten Moment der Wunsch groß sein kann, "alles schnell hinter sich zu bringen". Das ist jedoch gar nicht hilfreich und die Gefahr groß, etwas zu veranlassen, was erst hinterher überschaut werden kann und dann zu Schudlgefühlen und Problemen bei der Verarbeitung führen kann. Es ist auch gar nicht möglich, in einer kürzeren Zeitspanne als zwei Wochen sich den erforderlichen Überblick über  das Krankheitsbild, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse und vorstellbare Wege zu verschaffen.
Was also von großer Bedeutung ist, ist ausreichend Zeit.

Zeit und Zeitdruck

In den meisten Fällen haben Betroffene diese Zeit, ihren Weg zu finden. Es gibt nur wenige akute Fälle, bei denen sofortige Entscheidungen nötig werden. Dies kann eintreten, wenn das Leben der werdenden Mutter oder des ungeborenen Kindes in Gefahr ist und schnelles Handeln als Rettungsmaßnahme notwendig wird (Beispiel: HELLP Syndrom bei der Mutter).

Es ist also überhaupt nicht hilfreich, wenn ein unnötiger Zeitdruck  aufgebaut wird, sei es aus dem Umfeld des Paares oder durch betreuendes Fachpersonal. Vielmehr sollten die Eltern dabei unterstützt werden, bei bestmöglicher Betreuung und Begleitung Lösungen zu entwickeln, mit denen sie weiterleben können.