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Entscheidungsfindung

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 "Es geht nicht allein um den organmedizinischen Befund eines Feten, sondern um eine Schwangere mit einem Lebensentwurf, einer emotionalen Befindlichkeit, mit einem hilfreichen oder einem belastenden psychosozialen Umfeld, mit Vorerfahrungen, Hoffnungen und Ängsten. Diese Frau muss ihr besonderes Kind neu kennenlernen und sich auf seine Besonderheiten einstellen." (Zernikow 2013)

"Das Recht auf Selbstbestimmung und die Verfügung über den eigenen Körper sollte sich nicht auf das Recht auf Zugang zu einem sicheren und legalen Schwangerschaftsabbruch beschränken. Vielmehr umfasst es auch das Recht auf eine empathische und qualitativ hochwertige Begleitung, wenn Frauen sich gegen einen solchen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, auch bei einer vermutlich stark eingeschränkten Lebenszeit des Kindes. Vielmehr geht es darum, allen Frauen eine angemesseneBegleitung zu ermöglichen, was auch das Weiterführen der Schwangerschaft bedeutet." (Rost 2015)

Eine Entscheidung treffen (müssen). 

 "Sie müssen jetzt entscheiden". 

Diesen oder einen ähnlichen Satz bekommen Paare meistens zu hören, wenn ihnen für ihr Kind eine Erkrankung oder Behinderung mitgeteilt wird. Das bedeutet, dass von Eltern nach der Diagnoseeröffnung erwartet wird, zu handeln oder aktiv in die Schwangerschaft einzugreifen. Dies aber seltener durch pränatale Therapien, aber häufig durch einen Schwangerschaftsabbruch.
Selten werden Alternativen umfangreich kommuniziert: Das kranke Kind austragen, also entweder ein Leben mit einem kranken oder behinderten Kind, eine palliative Geburt, oder vielleicht sogar eine Adoption vorbereiten. So oder so finden betroffene Eltern sich nach einer pränatalen Diagnose für ihr Kind in der Situation, etwas entscheiden zu müssen.  Und sei es nur zu entscheiden, nichts zu entscheiden.  

Es ist grundsätzlich gut, irgendwann eine Entscheidung zu treffen – in die eine oder andere Richtung. So kommen werdende Eltern aus der Lähmung wieder in eine selbstbestimmte Rolle in ihrem eigenen Leben. Dabei muss jede Familie und jedes Kind für sich betrachtet werden. Deshalb gibt es auch keine pauschalen Entscheidungskonzepte, weder in die eine noch in die andere Richtung. 

Damit so eine wichtige Entscheidung überhaupt getroffen werden kann, sind folgende Punkte wichtig:

- Aufklärung und Begleitung: Um eine selbstbestimmte Entscheidung überhaupt treffen zu können ist es erforderlich, dass betroffene Eltern umfassende Beratung und Begleitung erhalten. Dazu gehört zum einen die genaue Kenntnis der Erkrankung/ Behinderung,  der aktuellen Möglichkeiten von Behandlungen und Therapien, die in Frage kommen. Darüber hinaus ist es aber auch wichtig, dass die Betroffenen auch psychsozial betreut werden, um über Ängste, Sorgen usw. sprechen zu können. 
- Zeit: Es ist unbedingt zu vermeiden, dass Entscheidungen kurz nach Diagnsoeeröffnung getroffen werden. Auch wenn im ersten Impuls (und Schock) viele Paare "alles schnell hinter sich bringen" möchten, ist genau das für die langfristige Verarbeitung oftmals problematisch.
 
Möglichkeiten nach einer pränatalen Diagnose: 

 Fortsetzen der Schwangerschaft
* Abwarten und zunächst die weitere Entwicklung beobachten
* Austragen und Leben mit einem chronisch kranken/ behinderten Kind

* manchmal pränatale Therapien
 * Leben des Kindes bei Adoptiv- oder Pflegeeltern
* Austragen und palliative Geburt

Beenden der Schwangerschaft
* Ausschabung: bis etwa 14. Woche
* Eingeleitete Geburt: ab etwa 14. Woche
* Fetozid: ab etwa 22. Woche